Leises Sterben

Man stelle sich vor: Aus Botswana, Namibia oder sonst einem Staat in Afrika käme die Meldung: Die Elefanten sterben aus. In den letzten 10 Jahren gingen 90% aller Elefanten verloren. Alle sind sie an einer geheimnisvollen Krankheit gestorben. Was wäre das für ein Theater. Vermutlich würden sich weltweit Millionen dafür interessieren und nicht wenige würden Spenden sammeln, eine Forschungsstation würde man vermutlich bauen und alles nur erdenkliche tun, um ihr Sterben zu verhindern. Und dem Minister jenes Landes, der erklärt, das wäre doch alles nicht so arg, das könne man durch gezielte Zucht ja wieder ausgleichen, dem würde man mit zorniger Verachtung begegnen und manch einer würde denken: Typisch für so ein Entwicklungsland…..

Was aber, wenn ähnliches bei uns passiert? Gewissermaßen vor der Haustüre? Massensterben auf der Wiese nebenan? Natürlich nicht von  Elefanten, aber es passiert. Es sind kleine Tiere, von denen ich rede. Emsig. Von vielen sehr geschätzt ob der Dinge, die sie produzieren. Sie haben keine wertvollen Stoßzähne, nur einen Stachel. Von der Biene ist die Rede. Der stinknormalen Honigbiene. Von den Wildbienen, den Hummeln und anderen Insekten, die so von Blüte zu Blüte fliegen ganz zu schweigen – sie sterben. Leise. Unauffällig für den oberflächlichen Beobachter.
Vor einiger Zeit kam ich bei einem Imker vorbei, der gerade dabei war, die toten Tiere zu entsorgen. Die Landebrettchen vor den Bienenstöcken waren übersät mit toten Bienen. Er kehrte sie zusammen, griff dann mit beiden Händen in den Haufen toter Bienen und sagte: Das ist der Ausfall einer Woche…
In den USA gibt es Bundesstaaten, die bis zu 90% ihrer Bienenbestände in nur einem einzigen Jahr verloren haben. In Frankreich, Deutschland, Ungarn und Österreich sind es jährlich 15 – 30% aller Völker. Tot. Vergiftet durch ein Nervengift, dass in der Beizung von Saatgut für Monokulturen von Mais eingesetzt wird – die Neonicotinoide. Dort, wo es viel Maisanbau gibt, sorgt es für enorme Ausfallszahlen in den Bienen stöcken. Mais scheidet in der Nacht über seine Blätter kleine Flüssigkeitströpfchen aus; die sogenannten Guttationstropfen. “Bienen nehmen diese Flüssigkeit auf. Es ist für sie so etwas wie ihr Frühstück”, erklärt mir der Imker. Eine Henkersmahlzeit. Ein Opfer für die Gewinnmaximierung und den Lobbyismus der Saatgutindustrie. Ganz abgesehen von aller Tierliebe und Naturverbundenheit stellt sich die Frage, wer die Bestäubung unserer Pflanzen übernehmen wird, wenn dieses leise Sterben so weitergeht. Bienen, Hummeln & Co sind mit der Bestäubung für die Produktion von ca. 60 Prozent unserer Nahrungsmittel zuständig. Bienen sind nach Schwein und Rind immerhin das drittwichtigste Nutztier des Menschen.
Ob das der österreichischen Landwirtschaftsministerin bewusst war, als sie eine Eingabe zum Verbot des Nervengiftes einfach ‘vertagt’ hat und danach bei einer Protestveranstaltung meinte, durch imkerlichen Fleiß würde man das schon alles in den Griff kriegen…? Tja, warum sollte sie auch ein Mittel verbieten, das seit kurzem in allen Ländern rund um Österreich verboten ist? Sowas tut man doch nicht, wenn man anscheinend der Industrie verpflichtet ist.
Ich bin ein durch und durch friedliebender Mensch. Aber jedes Bienchen, dass, voll des Giftes mit großer Kraft seinen Stachel in einen Körperteil besagter Ministerin versenken würde, um dann zu sterben, würd ich streicheln und ihm sagen: “Gut gemacht, Kleines….”

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